Samstag, 30. April 2016

Jedem Anfang wohnt ein Zauber inne.

Was mich betrifft wohnt diesem Anfang vor allem die Vernachlässigung dieses Blogs inne.
Multitasking war noch nie meine Stärke, also sei mir das gerade noch so verziehen.

Der Anfang. Wie ein riesiges Damoklesschwert schwebte er den kompletten März wartend über mir und erzeugte jede Menge Bauchschmerzen. Vorfreude war ebenfalls noch nie meine Stärke, müsst ihr wissen. Vor jedem bevorstehenden Ereignis - und sei es noch so aufregend und schön - welches mein Leben auch nur ansatzweise nachhaltig verändern könnte, waren wochenlange Übelkeit, Schlaflosigkeit und Kopfzerbrechen meine Begleiter.
Und wie ich es hasse, diese Panik vor Neuem. Alle, so ziemlich alle, um mich herum scheinen nicht so große Probleme mit Veränderungen zu haben, sie ziehen im vollen Bewusstsein in die weite Welt, weil sie sich nach Abenteuern sehnen. Und ich jammere über drei popelige Monate, bloß vierhundert Kilometer von zu Hause entfernt. Obwohl von Anfang an ziemlich klar war, dass ich dank Flixbus & Co. höchstens vier Wochen am Stück alleine sein werde und theoretisch jederzeit nach Hause kommen könnte, war dieser Schritt so schwer für mich, wie noch nie etwas zuvor. Und mit sehr vielen Tränen verbunden. 
Ich kam mir lächerlich vor, während ich gleichzeitig versuchte meine Gefühle vor mir selbst zu rechtfertigen. Da merkt man wieder: man selbst ist sein härtester Kritiker. 
Vor einigen Jahren noch hätte ich vielleicht den Schwanz eingezogen. Mittlerweile schaffe ich es aber immer öfter, mich zu überwinden Dinge zu tun, von denen ich weiß, dass sie mich bereichern werden. Gäbe es ein Phrasenschwein wäre ich bettelarm, aber unabhängig aller äußerlichen Umständen auf die man keinen Einfluss hat, ist es letztendlich einfach so - man ist seines Glückes Schmied. Das ist der springende Punkt.
Für mich stand fest, dass ich da durch muss, dass es kein Zurück mehr gibt. Es ist wichtig für mich, in jeglicher Hinsicht und selbst wenn es keine supertolle, krasse und herausragende Erfahrung wird, bleibt es in jedem Fall eine Erfahrung. An dieser Stelle muss ich an meinen ehemaligen Deutschlehrer denken, der uns stets Super Mario ins Gedächtnis rief: " Nehmt alles mit, was ihr kriegen könnt. Jedes Sternchen, jede Münze.". 



Der April klopfte dann ziemlich schnell an der Tür und vor mir stand kein Aprilscherz, sondern groß und unaufhaltsam (Trrrrommelwirbel) Hamburg.
Drei Monate in einer neuen Stadt, neue Leute, neue Aufgaben - alles neu. "Alles glänzt. so schön neu" sagt Peter Fox. Ja, vieles glänzt, wenn man erst einmal die Staubschicht runtergepustet hat. Allerdings bin ich selbst oft der personifizierte Staub. 
Das ist eine ziemlich miese Eigenschaft, die man jedoch ablegen kann, wie so vieles. Also lerne ich drüber zu stehen, über allem. Vor allem über meiner Angst. 
Die meisten Ängste sind überflüssig, das weiß ich. Und ich weiß auch, dass diese Ängste bei mir trotzdem im Vorhinein immer präsent sein werden. Manche Ängste bewahrheiten sich, sind im Angesicht aber viel ertragbarer als man dachte. Die Angst ist eine Primaballerina - gewährt man ihr Platz tanzt sie über weite Flächen und dreht ihre Pirouetten. 
Ja, Hamburg ist verregnet, ich vermisse meine Familie und meine Freunde, sogar mein Bett. Die großen Freundschaften habe ich bislang auch nicht geknüpft, werde ich vermutlich auch nicht. Aber ich brauche keine Angst mehr zu haben und rätseln, was mich erwartet und wie es sein wird. Ich weiß was ist - und meine Ballerina kehrt wieder in ihre Spieluhr zurück.

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen